Mehr als ein Algorithmus
Shownotes
Mehr Informationen zur RegioClusterAgentur, der Cluster- und Regionalentwicklungspolitik sowie der Innovations-,Cluster- und Wifö-Szene in Baden-Württemberg gibt es auf dem RegioClusterPortal.
Gesprächspartner: Dr. Wolfgang Fischer, Applied AI Institute for Europe
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Mehr als ein Algorithmus – Was KI-Transformation wirklich bedeutet
[Dr. Silke Schmidt] (0:00 – 0:42)
Transformsache, der Podcast der RegioClusterAgentur für Innovation und Transformation in Baden-Württemberg zu den Themen regionale Transformationen, Innovationen und kreative Lösungen aus der Clusterszene BW. Herzlich willkommen zur 19. Folge unseres Podcasts Transformsache.
Mein Name ist Silke Schmidt von der RegioClusterAgentur für Innovation und Transformation in Baden-Württemberg und heute dürfen wir Dr. Wolfgang Fischer begrüßen. Er ist Director Operations, Projects and Policy am Applied AI Institute for Europe in Heilbronn/München. Herzlich willkommen dir Wolfgang, schön, dass du dabei bist.
[Dr. Wolfgang Fischer] (0:43 – 0:46)
Hallo Silke, freut mich sehr, dass ich dabei sein darf. Vielen Dank für die Einladung.
[Dr. Silke Schmidt] (0:47 – 1:31)
Ja, freut uns auch sehr und wir werden heute reden zu dem Thema „Mehr als ein Algorithmus – Was KI-Transformation wirklich bedeutet“.
Und das ist ja ein sehr heißes Thema, du steckst da mittendrin. Da werden wir schauen, was das alles für spannende Erkenntnisse uns bringt, die auch wiederum den Regionen in Baden- Württemberg etwas bringen in der Umsetzung. Bevor wir da aber reingehen, eine Kaltstarterfrage, mit der wir immer gerne anfangen und das ist bei dir sehr spannend, weil du hast in Tübingen Geschichte, Rhetorik und Politikwissenschaft studiert und dann promoviert in neuerer Geschichte.
Jetzt ist natürlich die Frage, ich habe eben diesen Titel vorgelesen, was du ja heute für eine Position hast, wie kommt man da zu angewandter KI?
[Dr. Wolfgang Fischer] (1:31 – 3:53)
Dann versuche ich mal eine Brücke zu konstruieren. Also ein Teil der Brücke ist, dass ich dann zu einem späteren Zeitpunkt auch noch einen BWL-Abschluss gemacht habe, bin also noch Diplom-Kaufmann, immerhin. Ist aber trotzdem so, dass, wenn man meine Bildungsbiografie anguckt, nichts darauf hingewiesen hat, dass ich jemals in dem Tätigkeitsbereich lande, in dem ich jetzt bin.
Die Brücke sieht im Endeffekt so aus, dass ich mich schon immer, das machen Historiker, für Wandlungsprozesse, für Veränderungsprozesse interessiert habe. Das ist Teil von geschichtswissenschaftlicher Analyse. Man guckt sich immer an, wo ändert sich denn was, warum ändert sich das, in welche Richtung.
Das Ganze in die Zukunft projiziert, hat für mich natürlich das schon immer spannender gemacht, da verlässt man dann die Geschichte. Ich habe dann nach dem Studium, nach einer längeren Postdoc-Phase, im Staatsministerium Baden-Württemberg gearbeitet und bin von dort, und das ist dann eigentlich die klare Brücke, zur eMobil BW gegangen, damals Landesagentur für Elektromobilität, heute für neue Mobilitätslösungen Automotive. Da war ich fast 13 Jahre.
Da habe ich sehr stark angefangen. Es ging dann erstmal mit dem Übergriff Digitalisierung los und ich habe mich dann sehr mit dem Thema Digitalisierung in der Mobilität beschäftigt und auch mit dem Thema autonomes Fahren und über den Pfad, da hat man damals stärker noch von Machine Learning besprochen. Irgendwann war es dann Künstliche Intelligenz, KI.
Das war für mich so der Einstieg, so Ende der 2010er Jahre. Dann war ich zwischenzeitlich ja auch noch im Wirtschaftsministerium, habe mich sehr stark mit dem Start-up-Bereich beschäftigt. Auch da dreht sich natürlich sehr vieles in den letzten Jahren um Künstliche Intelligenz.
Um die Brücke auf den Punkt zu bringen, für mich war es eigentlich nie eine Hürde, mir auch technische Themen zu erschließen. Das finde ich spannend.
Ich habe das nicht studiert. Da ist man natürlich dann immer knallharter Anfänger, stellt manchmal vielleicht auch ganz dumme Fragen, aber das war für mich nie ein Hindernis, offen zu sein. Man redet ja immer von dem lebenslangen Lernen, aber das ist, glaube ich, schon ein Grundprinzip, was ich so meine ganze Laufbahn hatte. Keine Angst vor neuen Themen, sondern Fragen stellen und irgendwie versuchen, sich einzuarbeiten.
[Dr. Silke Schmidt] (3:53 – 4:29)
Nochmal eine Nachfrage dazu. Du hast gesagt, Historiker beschäftigen sich mit Wandlungsprozessen. Das ist ja jetzt erstmal etwas, wo ich sagen würde, das entspricht jetzt nicht so dem klassischen Bild, was man vom Historiker stereotyp im Kopf hat.
Der sitzt vielleicht irgendwo in seinem Archiv, hat so Spinnweben irgendwo auf dem Hemd und liest Bücher oder so. Also mal ein bisschen salopp formuliert. Gibt es denn abseits dieser Wandlungsprozessexpertise noch andere Dinge, wo du sagen würdest, Nicht-Techies können da insbesondere einen Beitrag leisten im Bereich Transformation, aber eben auch KI-Wandel?
[Dr. Wolfgang Fischer] (4:30 – 6:03)
Also Transformationsprozesse haben häufig einen technologischen Kern und der ist auch wichtig zu verstehen.
Da braucht man auch gar nicht zur Künstlichen Intelligenz gehen. Das habe ich mir über viele Jahre sehr intensiv beim Thema Elektromobilität angeguckt. Das ist ein technologischer Kern, aber außenrum passiert natürlich sehr, sehr viel mehr.
Dann ist einfach die Frage, erstmal setzt es natürlich Organisationen unter Veränderungsdruck. Da braucht man dann sowas wie Change Management, aber im Grunde genommen natürlich auch Menschen, die verstehen: Was passiert denn hier mit unserer Organisation? Wie muss ich die vielleicht umstellen auf ein neues Produkt? Also neues Produkt heißt ja immer, eine Arbeitsweise verändert sich, die Produktionsweise verändert sich. Ich muss vielleicht Mitarbeitende auf neue Dinge qualifizieren und so weiter.
Da hängt sehr viel zusammen. Und dieses Thema Organisationsentwicklung – wenn wir auf Künstliche Intelligenz gucken, da gibt es natürlich auch diesen technologischen Kern. Aber sehr viel außenrum ist eine Organisations- und auch eine Kommunikationsfrage in den Organisationen und da ist es, da bin ich sehr tief davon überzeugt, wichtig, dass nicht nur Leute, die rein auf die Technik gucken, mit drauf gucken, sondern da braucht man im Endeffekt natürlich auch Menschen, die so ein bisschen diese Zusammenhänge außenrum um die Technik betrachten. Nur wenn beides betrachtet und auch entsprechend begleitet, gemanagt, geführt wird, funktionieren diese Transformationen.
[Dr. Silke Schmidt] (6:04 – 8:59)
Also Kommunikation ist wichtig, höre ich da raus. Jetzt nähern wir uns mal diesem Technikthema.
Ich starte mal mit ein paar Zahlen. Eine Studie der KfW zum Beispiel hat herausgefunden, da sind sie nicht die einzigen, aber jetzt mal beispielhaft, weil sie relativ neu ist aus der jüngsten Vergangenheit, dass inzwischen also 20 Prozent der mittelständischen Unternehmen KI nutzen und eine IFO-Befragung sagt unter anderem, dass 54 oder knapp 55 Prozent der Unternehmen das auch in Geschäftsprozessen einsetzen. Also sehen wir ja schon, naja, KI kann vieles sein und man sieht also durchaus einen schnellen Anstieg, was die Nutzungszahlen angeht.
Jetzt schauen wir mal noch konkreter rein, wer nutzt das? Da geht es sehr erheblich um die Größe der Unternehmen. Also ganz klar da ist, die Großen nutzen zusammengefasst sehr viel stärker als die Kleinen. Das heißt, Kleine, da reden wir so jetzt vielleicht von unter 50 Beschäftigte, circa 23 Prozent und bei den Großen, wo es dann an die 500er rangeht, 57 Prozent.
Das ist ein deutlicher Unterschied. Dann wissen wir aber auch, nutzen heißt noch nicht Gewinne rausziehen. Da ist eine große Baustelle, könnte man sagen, denn die meisten, das hat OECD herausgefunden, also mehr als 80 Prozent der Unternehmen nutzen generative KI an der Stelle, sagen aber gleich, es kommt trotzdem nicht das raus, was sie sich da erhofft haben am Ende des Tages an Mehrwert.
Das liegt nicht am Geld, das wissen wir auch. Also einerseits sehen wir ja alle viele Tools, die kosten gar nichts oder zumindest sind sie bezahlbar. Also kein Grund zu sagen, kann ich mir nicht leisten. Jetzt mal bei der Breite der Anwendung, natürlich bei speziellen Dingen trifft das nicht so, aber nichtsdestotrotz. Da ist der wichtigste Faktor fehlendes Wissen, das geben sie an. Also mit 72 Prozent wird da gesagt, das ist eigentlich nicht unser Ding, deshalb funktioniert das bei uns nicht oder wir nutzen es gar nicht.
Und eine letzte Zahl, dann bin ich auch fertig mit der Datenschlacht, ist es in Baden-Württemberg so, dass das Bundesland da über dem Durchschnitt liegt. Da reden wir so von 28 Prozent versus 24 Prozent im Bundesdurchschnitt bei der Nutzung von generativer KI bei KMU. Das heißt, wir sind da gut am Start, aber natürlich geht auch immer mehr und besser und schneller. So, und das führt mich jetzt zu den Fragen.
Als Erstes natürlich, wenn du jetzt diese ganzen Daten hörst, du hast täglich auch in unterschiedlichen Kontexten mit ihnen zu tun, weißt du, was quasi dahinter steht. Wo seid ihr da unterwegs als Institut, als Einrichtung und was ist deine Rolle und was macht ihr da überhaupt? Also wo setzt ihr da an, um da, wie man so schön sagt, Impact zu kreieren?
[Dr. Wolfgang Fischer] (9:00 – 13:34)
Also erstmal danke für die Zahlen. Das findet sich bei uns ja auch teilweise in ähnlichen Formen und natürlich gucken wir die Quellen auch an in unseren Publikationen.
Was da dahinter steht, ist tatsächlich was, was man so als Execution Gap bezeichnen könnte. Also gerade diese OECD-Zahl, das ist ja eigentlich verheerend, wenn 80 Prozent der Unternehmen sagen, ja wir nutzen das schon, aber eigentlich bringt es uns nichts. Also es schlägt sich zumindest nicht in unserem Ergebnis nieder.
Vielleicht ist das auch am Anfang so. Ja, braucht man da auch eine gewisse Zeit, aber grundsätzlich ist natürlich schon das Problem, was dahinter steht, ist, dass wir eine Lücke haben zwischen dem, was Künstliche Intelligenz in den verschiedenen Instrumenten eigentlich kann und dann eben tatsächlich, was die Organisationen damit anfangen können. Das ist nämlich ein ganz entscheidender Unterschied und das führt uns eigentlich fast zu dem, was wir vorhin schon gesagt haben.
Das ist ein technisches System, das hat bestimmte Fähigkeiten, aber nichtsdestotrotz bin ich noch nicht so weit, dass ich Dinge komplett automatisieren kann. Ich habe natürlich nach wie vor menschliche Mitarbeitende, die auch befähigt und in die Lage versetzt werden müssen, richtig mit diesen Instrumenten umgehen und häufig entspringen solche Dinge natürlich auch einem gewissen Aktionismus. Alle machen KI, dann machen wir es halt auch. Und das Problem dahinter ist häufig, dass man gar nicht so strategisch rangeht und sich tatsächlich irgendwie überlegt: Wo habe ich denn eigentlich ein Problem, wo ich denke, da könnte mir Einsatz von einem KI-Instrument XY, was auch immer, könnte mir helfen und vor allem, welches Ziel verfolge ich denn damit? Also, will ich produktiver werden? Sollen Dinge schneller gehen? Will ich mir was Neues erschließen? Will ich vielleicht einen ganz neuen Service anbieten? All diese Überlegungen sollte man idealerweise vorher machen, bevor man sich ein Tool anschafft.
Und natürlich muss ich mir auch einen Plan machen: Habe ich Menschen in meiner Organisation, die in der Lage sind, das umzusetzen? Oder muss ich vielleicht auch vorher erst einen Schritt gehen und sagen: Ich muss bestimmte Skills irgendwie aufbauen. Und eine Empfehlung durchaus, die wir häufig immer machen, auch einfach erst mal von bestimmten Use Cases auszugehen und sich wirklich zu überlegen: Wo habe ich denn vielleicht ein Problem oder wo habe ich ein Ziel und was könnte mir das dann bringen?
Und vielleicht noch einen Satz, bevor ich dann vielleicht noch mal konkret was zu unserer Organisation sage: Warum ist BW über dem Durchschnitt? Es sind mehrere Faktoren.
Also natürlich hat das Land sehr viel im Bereich KI in Gang gebracht mit dem Cyber Valley im Forschungsbereich, jetzt mit dem IPAI in Heilbronn. Das ist jetzt kein reines Fishing for Compliments, weil wir hier bei euch sind, aber insofern ist natürlich, glaube ich, schon dieses Netzwerk Bildung in Baden-Württemberg so verinnerlicht in der gesamten Landschaft, dass ich natürlich über diese Netzwerke erst mal sehr viel Awareness transportieren kann und das ermöglicht für viele, glaube ich, schon einen schnelleren Einstieg in solche Themen.
Weil du es gesagt hast, ein paar Worte zu uns. Applied AI Institute for Europe ist eine gemeinnützige GmbH mit eigentlich zwei Standbeinen. Wir sind sozusagen ein Joint Venture der Applied AI Initiative, das ist unsere Muttergesellschaft. Die ist in München entstanden, aus Unternehmertum hervorgegangen, der IPAI Foundation in Heilbronn.
Insofern haben wir zwei Beine. Der Schwerpunkt unserer Aktivitäten, was das Institute anbetrifft, soll schon stärker in Heilbronn liegen. Wir haben aber auch einen größeren Zweig in München.
Das ist eine sehr junge Organisation, drei Jahre alt. Insofern ist auch sehr viel noch in der Findungsphase. Die Grundidee des Institutes ist, dass wir eigentlich für uns die Mission formuliert haben, sämtliche Akteure in Deutschland, für uns immer so der Oberbegriff „Professionals“, das sind Professionals, die können in Unternehmen arbeiten, die können in Public Sector Organisations arbeiten.
Das sind auch Menschen in allen Formen von gesellschaftlichen Organisationen, also insofern ist bei uns wirklich der Zielpunkt Professionals, die zu befähigen und in die Lage zu versetzen, Künstliche Intelligenz einzusetzen in einem vertrauenswürdigen, in einem auf europäischen Wert basierenden Umfeld. Und zum Aufbau dieses europäischen Ökosystems für Künstliche Intelligenz wollen wir beitragen mit Aktivitäten in den Bereichen Bildung und Forschung.
[Dr. Silke Schmidt] (13:34 – 14:05)
Du hattest vorhin noch dieses Thema Kompetenz auch angesprochen, was ein Grundpfeiler für die erfolgreiche Nutzung von KM-Unternehmen ist.
Wenn ich auf eure Seite gucke und dann mache ich jetzt mal Werbung für euch, weil ich das einfach sehr, ja nicht nur interessant, aber übersichtlich und einfach auch sehr praktisch fand, dann lese ich daraus, eure Strategie ist im Grunde genommen Enablement und Kompetenzaufbau oder würdest du sagen, das lese ich falsch und eigentlich kriegt jemand, der zu euch kommt, was ganz anderes?
[Dr. Wolfgang Fischer] (14:06 – 15:47)
Das ist aber eigentlich ganz gut zusammengefasst. Also das ist das Ziel. Als gemeinnützige Organisationen haben wir einfach, man kann es ja an ein paar Beispielen festmachen, sonst klingt es immer zu abstrakt. Also wie sieht das Enablement aus? Natürlich ist uns bewusst, Professionals ist ein furchtbar undefinierter und wahnsinnig vielschichtiger Zielbegriff.
Das können ja Leute in ganz unterschiedlichen Lebensphasen sein. Das können eher so Young Talents sein, die gerade in den Beruf einsteigen. Das können Leute sein, die schon viel Erfahrung hinter sich haben und jetzt einen Zugang zu dem Thema finden.
Das heißt, insofern kann man da jetzt nicht so nach dem Motto: Man macht den einen Kurs für alle und der macht alle glücklich hinterher. Also wir haben schon zum Beispiel Essential-Formate für Menschen, die erstmal an das Thema herangeführt werden. Wir gucken aber auch, dass wir Angebote machen für Leute, die schon in einem sehr technologischen Umfeld arbeiten und sehr spezifische Sachen suchen.
Was wir konkret anbieten, wir bieten tatsächlich relativ viele einfach kostenfrei zugängliche Kurse an, Online-Trainings, Paper-Studien, dann auch die Materialien zu unseren Kursen und wir haben auch ein Research and Engineering Team, also wirklich Leute mit einem tiefen Informatik- und Engineering-Background. Also insofern versuchen wir auch vermehrt bestimmte Tools und auch perspektivisch Open-Source-Lösungen zur Verfügung zu stellen, die einfach in ganz verschiedenen Kontexten angewandt werden. Aber das Ziel dahinter ist immer, möglichst viel Leute zu enablen, mit KI umzugehen und die in ihrem professionellen Leben einzusetzen.
[Dr. Silke Schmidt] (15:48 – 16:18)
Und sind diese Seminare, Workshops, wie auch immer ihr sie nennt, sind das, sage ich mal, standardisierte Dinge, die ich mir aussuchen kann oder macht ihr das auch so Tailor-Made?
Also wenn ich jetzt als Unternehmerin komme und sage, naja, also ich habe jetzt vielleicht auch schon irgendwie KI eingeführt an der einen oder anderen Stelle, aber ich sehe, es klappt nicht so richtig und ich habe auch vielleicht in dem ganzen Weiterbildungsdschungel jetzt nicht so den Überblick. Entwickelt ihr auch so eigene Angebote dann oder wie weit geht das?
[Dr. Wolfgang Fischer] (16:19 – 16:49)
Also wir stehen natürlich schon auf dem Boden der Gemeinnützigkeit. Insofern ist schon der Anspruch, dass alles, was wir tun, auch der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt wird.
Wir sind aber grundsätzlich immer dankbar für Anregungen. Wenn jetzt ein Unternehmen kommt und sagt, wir haben Leute, die bräuchten eigentlich genau das, ist nicht auszuschließen, dass es noch eine ganze Menge andere gibt, die vielleicht auch sowas bräuchten und dann können wir daraus was machen. Aber man kann uns jetzt nicht individuell beauftragen. Wichtig ist schon, dass wir auf dem Gemeinnützigkeitsboden bleiben.
[Dr. Silke Schmidt] (16:50 – 17:28)
Schafft das auch Vertrauen? Also das frage ich mich gerade. Weil einerseits ist ja immer so ein bisschen diese Balance zwischen, naja, was nichts kostet, dann weiß ich auch nicht, ob das so am Zahn der Zeit ist. Also mal das eine Extrem, das andere ist natürlich: AI ist ein Geschäft, ganz klar.
Also ich meine, es gibt mittlerweile so viele Anbieter in so unterschiedlichen Nischen aktuell, dass man vielleicht den Wald voller Bäumen gar nicht mehr sieht. Da kann es ja auch sein, dass man sagt, naja, aber die sind gemeinnützig und die haben einen gewissen Auftrag und dahinter auch Expertise.
Also was wird euch denn so zurückgemeldet? Wo spielt dieses Thema Trust auch eine Rolle?
[Dr. Wolfgang Fischer] (17:29 – 18:38)
Also im Grunde genommen beides natürlich. Das kennt man schon.
Ich habe ja dann doch durchaus verschiedene Erfahrungen jetzt gerade im Weiterbildungsbereich gesammelt. Da wird man natürlich doch häufiger mit der Einschätzung [konfrontiert], naja, also wenn es nichts kostet, dann kann es ja eigentlich nichts Gescheites sein. Das hört man natürlich auch. Unser Academy Team versucht aber gerade bei unseren Kursangeboten, die stecken sehr viel Arbeit in Befragungen und Feedback hinterher rein.
Das, was da zurückkommt, geht dann häufig auch, – also in den positiven Fällen, natürlich haben wir auch die anderen Feedbacks – aber in den positiven Fällen geht es in die Richtung, die du gerade angedeutet hast, dass man schon sagt, naja, man erkennt ja bei euch, ihr habt jetzt nicht eine eigene Gewinnerzielungsabsicht irgendwo dahinter und insofern dann auch dieser europäische Anspruch, den wir vertreten und dieses Postulat, es muss vertrauenswürdig sein. Also unser Selbstanspruch ist, dass wir immer die aktuellsten technischen Trends [berücksichtigen], dafür haben wir auch unser Engineering Team, dass wir die analysieren und möglichst schnell umsetzen in sozusagen zur Verfügung stehendes Wissen und das ist schon was, was jetzt zumindest im Feedback von vielen auch als sehr positiv wahrgenommen wird.
[Dr. Silke Schmidt] (18:39 – 19:19)
Jetzt gehen wir mal eine Ebene höher, sage ich jetzt mal, im Sinne von Weitsicht und auch politischer Ebene.
Ihr nennt euch eben Institute for Europe, da ist das Europe mit drin, das hat mit Sicherheit auch was zu tun mit eurem Setup und wo ihr herkommt, wie ihr gegründet seid. Aber in welcher Weise spielt diese europäische Ausrichtung eine Rolle auch in dem, was ihr tut, erforscht, aufbereitet etc. und auch andersrum, also gibt es da auch vielleicht europäische Projekte oder Zusammenarbeiten, die ihr anstoßt?
[Dr. Wolfgang Fischer] (19:20 – 23:14)
Steht tatsächlich nicht nur auf dem Klingelschild, wobei ich gar nicht jetzt genau wüsste, wo unser Klingelschild eigentlich hängt, nein, einfach mit den beiden Standorten und wir sind ja dann jeweils in so Coworking Spaces, deswegen ist immer so die Frage, ob es wirklich ein individuelles Klingelschild der Firma gibt oder eben einfach nur einen Empfang, aber es ist tatsächlich für uns schon eine sehr programmatische Ausrichtung. Dahinter steht schon der Gedanke, dass wir sagen, also Künstliche Intelligenz ist ein derart entscheidendes Thema für die nächsten Jahrzehnte, da ist es wichtig, und mit der Meinung sind wir bei weitem nicht allein, dass Europa da einen eigenen Weg, einen eigenen Pfad, eine eigene Antwort findet.
Wichtig eben tatsächlich wirtschaftlich souverän, eine Werteorientierung, also insofern ist das schon für uns Programm, dass wir sagen, wir wollen europäische Kompetenz, europäische Standards stärken, gerade weil es eben so ist.
Natürlich haben wir auch einen realistischen Blick auf die Dinge, aktuell ist es schon so: Der Großteil von Chips als der entscheidenden Hardware, die Cloud-Anbieter, die ganzen Sprachmodelle kommen tendenziell alle eher nicht aus Europa, aber umso mehr ist es schon wichtig, dass wir da sozusagen ein eigenes KI-Ökosystem aufbauen, um technologische und digitales Souveränität zumindest mal auf dem Schirm zu haben und soweit es geht auch darauf hinzuarbeiten. Wichtig aber auch eben, den Anschluss nicht zu verlieren, auch im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie, die natürlich ansonsten, wenn man das jetzt völlig ziehen lassen würde, perspektivisch größere Produktivitäts- und Wettbewerbsnachteile haben wird. Von daher, ich könnte natürlich jetzt sagen, ich mache hier digitale Souveränität, ich mache ja einfach alles nur noch selber, dann würden wir uns vom Weltmarkt abkoppeln, das ist vermutlich auch nicht der richtige Weg.
Also insofern müssen wir da so einen Mittelweg finden und überlegen, wie können wir denn Sprachmodelle so gut einsetzen, wie können wir vielleicht die Entwicklung von europäischen Sprachmodellen mit unterstützen. Und umso wichtiger ist es für uns, dass wir den Anspruch haben – den haben wir dieses Jahr wirklich nochmal verstärkt – dass wir sagen, wir müssen immer die aktuellen Trends – das ist ja teilweise dann wirklich fast wöchentlich aktuell, fast tagesaktuell – im Kopf haben und analysieren. Und das ist unser Anspruch, dass wir dann noch schneller werden, um das irgendwie zu übersetzen und da zu Awareness beizutragen. Was die Organisationen dann damit machen, die Entscheidungen müssen die dann selber gehen.
Was zu dem Europathema natürlich auch gehört: Wir haben natürlich uns in Europa auch einen Rechtsrahmen dafür gegeben. Wir haben einige Erfahrungen gesammelt mit europäischen Rechtsrahmen. Insofern stelle ich schon immer fest, ich habe in meinem Bereich ein AI-Regulation-Team mit wirklich super Fachexpertinnen und Fachexperten zum AI-Act, die da zum Teil auch in den allerersten Diskussionen schon involviert waren. Da ist dann häufig die Reaktion: „Jetzt kommt der schon wieder mit dem AI-Act und so weiter …“ -– Ja, das ist halt wichtig, das ist eigentlich auch schon in Kraft getreten in bestimmten Teilen. Wir sind, und das kann ich, glaube ich, dann für uns auch als Organisation insgesamt sagen, schon immer so: Es ist wichtig, dass wir eine europäische Regulierung haben. Wir setzen uns auf der anderen Seite aber natürlich dafür ein, dass die keine DSGVO 2.0 wird.
Da gab es glaube ich viele Lerneffekte, wie sowas eher als Hemmnis interpretiert und wahrgenommen wird und in vielen Fällen wahrscheinlich faktisch auch ist. Insofern ist schon das Ziel, den AI-Act zu einem Rahmen zu schaffen, der eigentlich Innovation nicht extrem hemmt und verhindert, aber trotzdem einfach bestimmte Leitplanken setzt, die notwendig sind. Und das gehört zu der technologischen und digitalen Souveränität auch dazu.
[Dr. Silke Schmidt] (23:15 – 25:26)
Du sprichst ja damit auch etwas an, was man aus meiner Perspektive ein bisschen rauslesen kann oder eigentlich jetzt schon länger, nur es kommt vielleicht jetzt stärker in die Öffentlichkeit auch mit dem AI-Act: Dass eigentlich die technologische Frage lange im Vordergrund war bei AI. Es ging um das Ganze, was du beschrieben hast, wo kommen die Sprachmodelle her, wer ist bei der Entwicklung voran etc. Mittlerweile wissen wir, dass es eine sehr stark, nicht nur politische, aber damit eben auch ethische und Wertefrage ist.
Also dass Europa da anders mit umgeht als eben die USA und andere Teile der Welt und dass das jetzt genau die Herausforderung ist, aber eben auch die Chance vielleicht da eigene Wege zu finden, die ja nicht eigen sind, aber im ethischen Sinne eben gut. Also richtig im Rahmen des Wertekontextes. Jetzt machen wir hier keine Weltpolitik, aber ich würde gerne noch mal ein bisschen den Blick auf die andere Richtung lenken und da kommt das Thema Start-ups.
Also jetzt haben wir eben über KMU geredet, die Empfänger der Leistung sind, die ihr auch anbietet, die natürlich einen Großteil der Wirtschaft als Backbone natürlich auch in Baden-Württemberg ausmachen. Start-ups sind insofern eher auf der etwas anderen Seite, weil sie eigentlich die sind, die die Lösungen mit entwickeln und dann zur Verfügung stellen. Jetzt hast du vorher auch angesprochen, du hast lange Erfahrung mit Start-ups, auch aus der Perspektive eben der öffentlichen Verwaltung und da Einblicke gehabt.
Wo siehst du Start-ups aktuell in diesem ganzen Gefüge, wo jetzt eben auch der AI-Act eine wesentliche Rolle spielt, Datensicherheit etc.? Wir haben gerade in der jüngsten Vergangenheit Skandale beobachten können, die um die Welt gegangen sind, wo sich OpenAI einfach selbstständig gemacht hat. Die sind faszinierend, wenn man sie von der technischen Seite betrachtet. Die sind an sich nicht schön, weil wir wollen sie nicht haben.
Also wo sind Start-ups da aus deiner Perspektive, wo sind sie vielleicht Potenzialträger und auch Innovationstreiber und wo sind aber vielleicht auch Gefahren?
[Dr. Wolfgang Fischer] (25:27 – 29:56 …)
Vielleicht noch einen Satz vorab, der da ganz gut überleitet. Also man hat ja jetzt, wenn man jetzt den letzten Blogbeitrag von Anthropic anguckt und in dem Kontext, was wir jetzt gerade gesprochen haben zum Thema Regulierung, dass im Grunde genommen Anthropic jetzt selber sagt: Liebe Community, liebe OpenAI und xAI und wie sie alle heißen, wollen wir nicht einfach jetzt mal ein bisschen langsamer werden? Weil wir so ein bisschen das Gefühl haben, wir verlieren die Kontrolle. Also für die ist ja im Endeffekt die EU mit ihren Regulierungen ja das, mehr oder weniger, das Schlimmste was man sich vorstellen kann.
Aber insofern finde ich den Schritt jetzt schon relativ spannend zu formulieren: Wollen wir nicht irgendwie doch mal ein bisschen langsamer werden? Insofern der AI-Act, weil du den Konnex zu …, also Start-ups sind natürlich immer Innovationstreiber und beim Thema Künstliche Intelligenz glaube ich ganz speziell. Und wenn ich mir so die Start-up-Landschaft in Baden-Württemberg angucke, dann sind das extrem viele Firmen, die Künstliche Intelligenz …, das ist immer so schwierig, das ist ja keine eigene Branche.
Also wir tun zwar häufig so, aber eigentlich ist es keine eigene Branche, sondern es sind dann Start-ups, die im Baubereich, im Medizinbereich, die in allen verschiedenen Bereichen unterwegs sind und die eben Künstliche Intelligenz in irgendeiner Form einsetzen. Und da haben wir halt tatsächlich so ein bisschen …, das ist sehr ambivalent, wenn ich da auf den AI-Act für Start-ups gucke. Zum einen ist da dieser Rechtsrahmen mit dieser Risikoklassifizierung und wenn man diese Regulierungen, wenn man da compliant ist, also es schafft Rechtssicherheit, es schafft ein gewisses Vertrauen, vielleicht auch für die Produkte, die die anbieten, für bestimmte B2B-Services oder vielleicht noch mehr im GovTech-Bereich.
Das heißt, wenn ich da also sagen kann, ich habe hier ein Angebot, das ist sozusagen compliant zum AI-Act, dann schafft es erstmal Rechtssicherheit und Vertrauen. Das Problem ist, wie komme ich denn da hin? Und insofern verlangt der AI-Act dann natürlich schon bestimmte Dinge. Also wir haben uns sehr dafür eingesetzt, dass es eben nicht zu kompliziert ist, aber bestimmte Dinge sind eben dann trotzdem notwendig.
Und ein junges Unternehmen in der Realität hat dafür in der Regel weder Zeit noch Know-how, weil die in der Regel keine Juristen im Team haben, außer es sind halt irgendwelche speziellen Start-ups. Und normalerweise haben sie eigentlich jetzt auch keine Zeit, sich relativ lange mit Transparenzrichtlinien und sonstigen Dingen auseinanderzusetzen. Und das ist in dem Sinn eigentlich ein Bereich, wo wir ansetzen wollen, dass wir sagen, für uns da ein Vehikel ist, ist dieses Projekt Bayerische KI-Innovationsbeschleuniger.
Da haben wir einige Dinge veröffentlicht, aber grundsätzlich ist das eigentlich eine unserer Zielgruppen. Dass wir sagen: Viele Dinge, die wir so Open Source rausstellen, sind auch fast ein bisschen maßgeschneidert auf Start-ups. Also wir haben zum einen diese Trainings, dass die sich mit dem AI-Act sehr komprimierten befassen können und einfach mal ein Verständnis entwickeln, was davon betrifft mich jetzt eigentlich und was vielleicht nicht und wann kommt was. Aber wir werden dann auch schon da sehr viel mit Use Cases arbeiten und sagen, okay, wenn du jetzt an einem Punkt bist, dass du weißt, bist Hochrisiko, dann ist die nächste Frage: Was musst du denn dann tun? Das heißt also zum Beispiel die Transparenzregularien sind jetzt eigentlich im August in Kraft getreten und wir durchlaufen das gerade selbst und wenn wir im Endeffekt da ein bisschen weiter sind, dann werden wir auch das sozusagen in abstrahierter Form zur Verfügung stellen, um Start-ups zu zeigen: Okay, so kannst du das machen.
Natürlich müssen sie dann die letzte Meile selber gehen, aber sie haben zumindest mal einen Orientierungsrahmen, wie sie sich da bewegen können. Das ersetzt natürlich immer keine Rechtsberatung, muss man auch sagen, aber häufig hilft es ja schon, wenn ich weiß, in welche Richtung ich laufen muss und dann kann ich sehr gezielt vielleicht eine Rechtsberatung suchen und sagen: Okay, ich habe jetzt noch diese eine Frage übrig, den Rest habe ich alles gemacht. Beschleunigt trotzdem und spart halt idealerweise Zeit und damit auch Kosten. Das ist so ein bisschen der Ansatzpunkt hinter unseren Aktivitäten, auch beim AI-Act, dass wir sagen, irgendwie Unternehmen und vor allem Start-ups zu unterstützen, möglichst schnell compliant zu werden und dabei vielleicht auch noch neben der Zeit auch ein bisschen Kosten sparen und dann eben trotzdem diese positiven Effekte von Rechtssicherheit, Vertrauensbildung mitnehmen, die dann der Rechtsrahmen auch mit sich bringt.
[Dr. Silke Schmidt] (30:00 – 32:18)
Ich denke gerade noch darüber nach, über diese Kategorie Start-up. Das fand ich jetzt eben noch mal spannend, dass du das rausgehoben hast. Weil in der Tat, ich kann mich da selber ertappen und die in so eine Box packen. De facto gibt es diese Box, also rechtlich, nicht. Das sind junge Unternehmen, ja, die sind gerade gestartet. Aber das sind KMU, Punkte. Also das sind kleine Unternehmen, die sind da technologiegetrieben … ich will jetzt nicht in die Tiefen der Definition von Start-ups abdriften, natürlich haben die gewisse Definitionskriterien von der Gründung her, die haben klassische Unternehmen so nicht. Also Stichwort schnelle Skalierung und ein Produkt etc. Aber das finde ich noch mal wichtig, weil ich glaube, das ist generell eine Ambivalenz, mit der man umgehen muss. Da gibt es keine einfachen Lösungen. Aber letzten Endes sie auch selbst weiter in der Bubble zu haben, die dann vermeintlich anders tickt, aber dann eben auch keinen Anschluss an die Branchen einerseits, aber auch wirklich richtiges Unternehmertum mit allem, was dazu gehört, zu finden, das hast du mir einfach noch mal klargemacht.
Und jetzt sind wir da, also Start-ups haben das Problem einerseits, wie du ja sagst, das sind letzten Endes überhaupt keine technologischen Themen, das sind Organisationsthemen. Also, habe ich natürlich einerseits die Ressourcen, habe ich die Infrastruktur?
Wie siehst du die Herausforderung bei KMU? Was jetzt diesen nicht-technischen Teil, also insbesondere, ich sage mal alles das, was man so „soft“ nennt, [angeht]. Das spielt bei Start-ups, wenn das pitcht, auch keine Rolle. Also da wird selten ein Start-up einen Investor oder Angel gewinnen, wenn sie ein Pitch-Deck haben, wo schon draufsteht: So, und ich kann euch schon sagen, so machen wir die Personalentwicklung und das alles. Das interessiert an der Stelle keinen, aber es kann eben dann einem um die Ohren fliegen, wenn es dann nicht eingerichtet ist. Auch Thema Führung, ganz wichtig, Strategie etc. Also all die Dinge, die so ein bisschen der Start-up-Logik entgegensprechen, die länger dauern, für die man Zeit braucht.
Wie sieht das jetzt bei KMU aus deiner Sicht aus, wenn die vielleicht erst mal ganz gut schon dastehen mit dem Wissen um KI und sie wenden das an. Ja, was braucht man sonst noch zum Thema Organisation, zum Thema Führung, zum Thema Mitarbeitendenentwicklung etc., damit das Ganze im System auch Mehrwert schafft?
[Dr. Wolfgang Fischer] (32:19 – 37:05)
Also wenn man tatsächlich guckt, so in unseren Analysen, man stößt auf Zahlen, 41 Prozent der großen Unternehmen nutzen KI, nur 12 Prozent der KMU, so im europäischen Kontext. Es gibt viele ähnliche Analysen und was man da in dem Kontext immer findet, wenn man fragt, woran liegt es denn, wird da eigentlich fehlendes Wissen – hatten wir vorhin schon –genannt. Es wird auf rechtliche Unsicherheit verwiesen, so ein bisschen aus der Erfahrung vieler Rechtsrahmen.
Es wird Datenschutzbedenken genannt. Das Thema Kosten kommt dann irgendwann auch, aber meistens gar nicht mal als das Allererste. Die Frage, wie geht man jetzt eigentlich dann mit dem Thema um? Wir haben seit Ende 2024, also richtig gestartet ist es Anfang 25, das Projekt Bayerische KI-Innovationsbeschleuniger.
Das wird vom Bayerischen Ministerium für Digitales gefördert. Wir machen das gemeinsam mit der Ludwig-Maximilian-Universität München, mit der TU München und der TU Nürnberg. Und das war eigentlich genau die Überlegung: Wie schaffen wir es denn, KMU in Bayern, Start-ups in Bayern, Organisationen des öffentlichen Sektors, wie schaffen wir es, die möglichst schnell compliant zum AI-Act zu machen? Und da haben wir eben tatsächlich diese Lernpfade entwickelt in diesem Projekt, die jetzt auch öffentlich zugänglich sind, auch außerhalb Bayerns.
Und diese Lernpfade bauen eigentlich tatsächlich genau auf den Dingen auf, die aus diesen Umfragen rauskommen. Der eine Lernpfad ist tatsächlich erst mal KI-Kompetenzen aufbauen. Also man wird jetzt durch den Kurs nicht allein alle KI-Kompetenzen aufgebaut haben, die man braucht. Aber man hat vielleicht den Überblick, was brauche ich denn eigentlich? Und vor allem, wer in der Organisation braucht denn vielleicht was? Und wer braucht vielleicht da erst mal gar nichts?
Das Zweite ist tatsächlich, das ist dann die rechtliche Unsicherheit, wirklich den AI-Act verstehen, sich selber lernen einzuordnen, was davon betrifft mich? Wie gehe ich da ran? Hatten wir gerade anhand der Zielgruppe Start-ups, aber das kann ich natürlich in gleicher Art und Weise auch mit KMU machen.
Und das Dritte ist tatsächlich sehr stark geprägt von unserem Engineering-Team. Also eigentlich, wie setze ich es denn technisch um? Wenn ich dann sage, ich will jetzt hier ein AI-Tool, wie implementiere ich das denn eigentlich in meine Systeme, die ich schon habe? Wie kann ich da ran gehen? Und was wir in dem Projekt neben diesen Lernpfaden halt noch zusätzlich anbieten, ist zum Beispiel eine Risk Classification Database, wo ich mich mal ein bisschen informieren kann und gucken kann: Wie baue ich mich denn ein?
Es gibt eine sogenannte EU-AI-Act Compliance Journey. Das ist so eine Art Landkarte oder so ein Flussdiagramm, wo man wirklich überlegen kann, ist für alle zugänglich, wo man einfach mal sich überhaupt sieht, was muss ich denn eigentlich wissen, um mich auf so einen Pfad zu begeben? Und natürlich haben wir einige White Paper geschrieben. Kürzlich, weil wir es gerade über die Start-ups hatten, haben wir eine Analyse veröffentlicht zum Thema Risk Classification bei Start-ups, die den schönen Namen hat „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“. Also da geht es eigentlich sehr spezifisch um das Thema Risikoklassifizierung für Start-ups. Da haben wir mal deutsche Start-ups analysiert.
Wir haben auch eine kleine Veranstaltungsreihe, die natürlich, weil sie in Bayern gefördert ist, in München stattfindet. Aber wir überlegen gerade, welche Elemente aus dem Projekt, es läuft noch bis Ende 2026 in der geförderten Phase, wir auch einfach weiterführen.
Der Hintergrund ist, dass wir eigentlich schon versucht haben, was so aus diesen gängigen KMU-Umfragen rauskommt, also tatsächlich Wissenslücken, rechtliche Unsicherheit, da zu reagieren. Auch ehrlich gesagt, die Datenschutzbedenken haben wir in den einen Lernpfad eingebaut.
Da gibt es eine unserer Juristen, die hat ein Modul gemacht, DSGVO und KI und AI-Act, wie spielt das eigentlich zusammen? Also insofern versuchen wir da einfach sehr viel auch von dieser Unsicherheit zu nehmen. Und nachdem Kosten gar nicht das Argument sind, du hattest ja nach den KMU gefragt, wenn Kosten gar nicht das Argument sind, ist es häufig, glaube ich, tatsächlich eine fehlende Orientierung.
Du hattest ja vorhin auch schon mal gesagt, man wird ja förmlich erschlagen von irgendwelchen Angeboten. Und das führt dann dazu, dass häufig irgendwie so ein bisschen die Orientierung fehlt und man sagt: Wie fange ich denn jetzt eigentlich an? Irgendwie erzählen mir alle ganz viele was, aber wo fange ich denn eigentlich sinnhaft an? Die Leute haben ja auch immer noch ein Kerngeschäft. Das darf man ja immer nicht vergessen.
Also ohne, dass ich jetzt irgendwie 100 Prozent mich nur noch damit beschäftige, also wo finde ich denn den richtigen Ansatzpunkt, um in die Richtung zu gehen? Und wie schaffe ich das, dass ich nicht gleich 25 andere Probleme, weil ich halt bestimmte Regulierungen nicht kenne und so weiter, schaffe?
[Dr. Silke Schmidt] (37:06-38:27)
Wir kommen langsam zum Ende und damit auch zu der wesentlichen Frage. Praxis ist das eine Stichwort und vielleicht auch noch mal ein Stück weit Transfer. Die Cluster-Management-Welt, das ist ja so die Hauptzielgruppe, die wir auch adressieren. Innerhalb der RegioClusterAgentur ist es nicht die einzige. Nennen wir auch noch mal einfach dieses Stichwort Intermediäre. Also die passen erst mal in keine der Kategorien, die wir jetzt besprochen haben.
Das sind keine Unternehmer, Unternehmerinnen im eigentlichen Sinne. Das sind eben genau die, die immer dazwischen sind. Die kriegen aus den Unternehmen eine Menge mit.
Die sehen, was da läuft. Die sehen auch, was da vielleicht nicht läuft, was da laufen könnte. Gleichsam sind sie selbst wahrscheinlich in den seltensten Fällen, die, die jetzt selbst auch schon die Expertise haben oder überhaupt, ist es nicht ihre Kernaufgabe.
Also die Frage ist jetzt, wenn ich jetzt Clustermanagerin bin, was hast du für Empfehlungen oder auch konkret? Wo sind da Schnittstellen, wo ich jetzt sagen könnte, alles klar, das ist ja auch was für mich, wenn ich jetzt zu euch käme aus dieser Zielgruppe.
[Dr. Wolfgang Fischer] (37:28 – 41:42)
Also grundsätzlich selbst auch ein bisschen Kompetenzaufbau zu machen, da gibt es auch sehr viele andere Möglichkeiten außer uns. Ich will jetzt ja nicht sagen, nur bei uns findet man die richtigen Infos.
Es gibt in der Landschaft in Baden-Württemberg so vielfältige Möglichkeiten. Also insofern ist, glaube ich, jetzt, wenn ich Clustermanagement mache, mit Sicherheit nicht verkehrt, mal zu überlegen: welche Art von Kompetenz?
Also da brauche ich jetzt keinen Machine Learning Kurs machen. Das ist weit weg von der normalen Tätigkeit, aber einen geeigneten Kurs, um selber mal einzusteigen und für mich Kompetenzaufbau zu machen. Weil das wird, glaube ich, mal völlig unabhängig von den ganzen Technologien und Industrien tatsächlich in den beruflichen Alltag sich integrieren in den nächsten Jahren. Diese Technologie, also ist es auch für die individuelle Weiterentwicklung mit Sicherheit nicht schlecht, wenn man Kompetenzaufbau macht.
Und das kann man dann natürlich auch weitertreiben und sagen, wenn man sich ein bisschen weiter damit beschäftigt, dann tatsächlich immer mit den Clustermitgliedern sprechen. Dann kriegt man schon so ein bisschen raus, in welche Richtung fragen denn die? Und dann kann man natürlich als guter Intermediär eigentlich tatsächlich auch, was man da findet, vielleicht nicht nur für sich nutzen, sondern auch sagen, da habe ich jetzt Sachen gefunden, die sind vielleicht für meine Clustermitglieder ein ganz richtiger Pfad, ein ganz guter Ansatzpunkt. Wenn man sich insgesamt strategisch damit beschäftigen will, was passiert denn so in den nächsten Jahren? Wir haben jetzt auf unserer Homepage ein Tool offengestellt, Preparing for the Age of AI, so ein Zukunfts-Outlook.
Das ist tatsächlich selbst ein lernendes System, was sich eigentlich auch fortlaufend aktualisiert. Also es ist jetzt keine klassische Studie in dem Sinn, sondern einfach tatsächlich ein sehr, sehr großes Daten-Grabbing-Modul, was sehr viele Informationen zusammenstellt und was im Endeffekt mal so in verschiedenen Entwicklungsszenarien eine Projektion macht. Was passiert denn in den nächsten Jahren? Also wir haben ja da unterschieden. Wir gehen nicht davon aus, dass es sich verlangsamt, die Entwicklung jetzt erst mal, wobei mal gucken, wie das Anthropic-Thema weitergeht. Aber selbst wenn es so in der normalen jetzigen Entwicklungsgeschwindigkeit weitergeht, kann sich da sehr viel verändern. Wir haben das ja dann irgendwie runtergebrochen, auf welche Auswirkungen das auf verschiedene Wirtschaftssektoren, Wirtschaftsbereiche, auch auf das öffentliche Leben, auf die Kommunen und so weiter hat.
Wir stehen mit dem ganzen Thema erst am Anfang. Wir werden daraus ein ganzes Programm entwickeln und dann schon versuchen, das zielgruppengerecht ein bisschen verdaulicher noch aufzubereiten, als es momentan ist.
Aber man kann sich über sowas schon mal ein bisschen mit den größeren Entwicklungslinien beschäftigen. Aber grundsätzlich, was wir in dem Tool ja gemacht haben, wir haben da so bestimmte No-Regret-Maßnahmen aufgelistet, wo man sagt, egal wie schnell jetzt eine Geschwindigkeit geht, das ist auf keinen Fall verkehrt. Und dann komme ich in der Schleife wieder bei dem Kompetenzaufbau dabei (raus).
Also sowohl als Clusterorganisationen sich selbst mit dem Thema zu beschäftigen und das dann auch in der Perspektive, was brauchen eigentlich meine Mitglieder? Was ist für die halt vielleicht der richtige Einstieg oder Weiterentwicklungspunkt für das Thema? Da macht man auf keinen Fall was falsch, egal wie schnell oder langsam es geht.
[Dr. Silke Schmidt] (41:43 – 43:33)
Also Wissen, Wissen, Wissen und Lernen, Lernen, Lernen ist nicht verkehrt. Und vielleicht auch, du hast es so ein bisschen angesprochen, ist auch einfach ein Punkt, da so ein Stück weit dann selbstbewusster mit dem Thema auch umzugehen, darüber zu reden.
Also eine Vermutung könnte ja auch sein, dass, weil das Thema eben so prominent ist und so technikbehaftet und so expertenlastig, dass man sehr schnell auch den Reflex hat zu sagen: Naja, habe ich keine Ahnung und ich vermittle mal weiter. Und wenn man sich damit beschäftigt hat, natürlich ist man noch nicht irgendwie tiefe Expertin oder Experte, aber man hat vielleicht das Selbstbewusstsein zu sagen: Naja, also ich kann da durchaus mitreden, in Anführungszeichen. Zumindest verstehe ich vielleicht besser, was der oder diejenige will, ist ja auch schon mal ein Schritt.
Wir haben eine lange Reise gemacht, Wolfgang, weil wir fingen an mit dir als Historiker, der es gewöhnt war, qua Ausbildung Transformationsprozesse und damit auch technologische Entwicklungsprozesse nachzuvollziehen und auch die Brüche zu erkennen und die Wendungen vorauszusehen, auch das hat was mit Strategie zu tun. Jetzt haben wir geredet über ganz viel Kompetenzaufbau, Start-ups, die unterschiedlichen Organisationsformen, was können sie tun, was tut ihr da auch dazu.
Also insofern schon nochmal, kann man nur darauf hinweisen, dass es ganz viel gibt schon bei euch auf der Seite, das einfach sich mal anzugucken und keine Angst zu haben, sich mit dem Thema zu beschäftigen und auch den eigenen Interessen nachzugehen, wie du sagst, mit Use Cases, also erstmal da anzusetzen, wo gibt es denn ein Problem und neugierig zu sein, was kann denn KI da, was ich vielleicht so noch nicht kann mit meinen Tools.
Zum Ausblick jetzt, was habt ihr euch noch vorgenommen dieses Jahr, was steht noch im Kalender, was ist spannend und was ist auch vielleicht so dein großer Meilenstein, wo du gerade dran arbeitest mit deinem Team?
[Dr. Wolfgang Fischer] (43:34 – 44:40)
Zwei Dinge, was gerade wirklich jetzt in diesen Tagen startet, sind die neuen Lernpfade in diesem Innovationsbeschleunigerprojekt und das Bayerische Ministerium hat uns auch durchaus ermuntert, dass diese Sachen, dadurch, dass es ja Online-Trainings sind, auch in anderen Bundesländern gerne in Anspruch genommen werden können.
Also wir freuen uns alle, es ist, wie gesagt, kostenfrei, kann man sich einfach über unsere Homepage registrieren und teilnehmen. Also das ist sehr konkret, das ist jetzt die letzte Phase dieses geförderten Projektes, sicherlich noch das To-do bis Jahresende, uns zu überlegen, was wollen wir, wie, in welcher Form weiterführen und dann ist natürlich ein großes To-do, dass wir zu dem Preparing the Age of AI tatsächlich ein Programm mit Zielgruppen, spezifischeren Papern, Roundtable-Formaten und so weiter, entwickeln. Das ist gerade noch so ein bisschen in der Diskussion, wie das aussehen muss.
Wir wollen auch sehr viel stärker bestimmte Open-Source-Lösungen anbieten, also insofern gucken wir gerade so ein bisschen, welche Schwerpunkte setzen wir dann im kommenden Jahr.
[Dr. Silke Schmidt] (44:41 – 45:05)
Also es gibt eine Menge zu tun bei euch, es gibt eine Menge zu lesen und zu lernen von euch. Ganz herzlichen Dank, dass du in unserem Podcast zu Gast warst heute.
Das war TransformSache, der Podcast der RegioClusterAgentur für Innovation und Transformation in Baden-Württemberg zu den Themen regionale Transformationen, Innovationen und kreative Lösungen aus der Clusterszene Baden-Württembergs. Die RegioClusterAgentur Baden-Württemberg wird durch das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg aus Landesmitteln und aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, EFRE, finanziert.
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